|
| Übersicht | Exposiciones | Museo de Arte de Zapopan |
Mittwoch, 16. April
„Deutsche Vita"
16 April - 25 Mai
Ort: Museo de Arte de Zapopan MAZ
Uhrzeit: 20.30 Uhr
Stefan Moses
Stefan Moses wurde am 29. August 1928 in Liegnitz in Schlesien geboren. Seit 1950 lebt er in München.
1943 begann er eine Lehre im Atelier der Fotografin Grete Bodlée in Breslau, musste jedoch ein Jahr später seine Studien unterbrechen, als er in das Zwangsarbeiterlager Ostlinde interniert wurde. Erst 1945/46 konnte er die Ausbildung bei der inzwischen in Erfurt tätigen Fotografin fortsetzen. Anschließend wurde er zuerst Theaterfotograf am Nationaltheater in Weimar und dann für etwa sechs Wochen Szenenfotograf bei den Filmstudios der DEFA in Potsdam-Babelsberg - zwei Stationen, die in seinen Bildfindungen immer spürbar bleiben.
1950 ließ er sich in München nieder, wo er als Pressefotograf für die Neue Zeitung und die Zeitschriften Stern, Magnum und Twen tätig war. Später entschied er sich für eine Karriere als freier Fotograf. In dieser Zeit gab er zahlreiche Bücher und Kataloge heraus und organisierte verschiedene Ausstellungen zu Fotografiereihen. Ab den sechziger Jahren widmete sich Stefan Moses mit seiner Kamera der Beobachtung der Gemütsstimmungen erst der Einwohner Westdeutschlands und zwischen 1980 und 1990 auch der Bewohner Ostdeutschlands.
1991 erhielt Stefan Moses den Ehrenpreis der Stadt München und 2001 wurde er mit dem Ehrenpreis der Stankowski Stiftung ausgezeichnet. Seit 1994 ist er Mitglied der Akademie der Schönen Künste in München.
Seit 1995 ist das Lebenswerk von Stefan Moses Bestandteil der Sammlungen im Münchner Stadtmuseum, wo es im Fotomuseum wissenschaftlich bearbeitet und in Zusammenarbeit mit dem Fotografen für diese Ausstellung und Publikation erschlossen wird. Einen ganzen Raum füllt das aus Tausenden von Negativen und Abzügen bestehende Archiv, das ein wechselvolles Arbeitsleben von Fotoreportagen bis zu den langzeitlich erstellten Portraitzyklen dokumentiert. Außerdem sind seine Fotos unter anderem in der MoMA New York und im Centre Pompidou in Paris zu sehen.
Stefan Moses gehört ganz ohne Zweifel zu den wichtigsten und authentischsten Fotokünstlern der deutschen Gegenwart.
Foto-Ausstellung des deutschen Künstlers Stefan Moses
Das Goethe-Institut zeigt die Foto-Ausstellung „Deutsche Vita” des deutschen Fotografen Stefan Moses.
Sein Lebensthema sind die Deutschen, ihre Lebensformen und ihr Habitus, den er unabhängig vom sozialen Stand festgehalten hat. Politiker, Straßenarbeiter, Schauspielerinnen, Parkwächter, Schriftsteller, Straßenbahnschaffnerinnen, Bildhauer oder Artisten sind in dem Abbild der deutschen Gesellschaft einträchtig versammelt.
 |
 |
Fotografieren heißt für Stefan Moses, den Menschen eine gewisse Freiheit zu ermöglichen, sie nicht in den engen Grenzen ihrer selbstgewählten oder fremdbestimmten Identität zu belassen. Alles Geschehen ist für ihn nach eigenen Worten ein ewiges spectaculum bzw. ein theatrum mundi. Er setzt die Kamera so ein, dass dank der phantasievollen Übertreibungen und seinem Sinn für das Absurde, sein Gegenüber aus der Rolle des Statischen gerissen wird und, gelingt seine Magie, sich ein Zustand der Gelöstheit einstellt. Stefan Moses bringt die Person dazu, aus der Rolle, die sie normalerweise in der Gesellschaft spielt, auszubrechen und etwas von ihrem Ich zu zeigen. So verfrachtete er zum Beispiel Deutschlands Dichter, Denker und Politiker in den Wald, ließ sie zwischen Baumstämmen wandern und aus dem Unterholz hervortreten. Er fand auf diese Weise ungewohnte Formen der Inszenierung, die die verkrampfte Ikonografie für in Würde erstarrte Geistesgrößen weit hinter sich ließ. Sein nie erlahmendes Interesse am Portrait hat Stefan Moses mit einem Satz von Novalis zu begründen versucht, das zu einer Art Leitmotiv geworden ist: „Jeder Mensch ist eine kleine Gesellschaft”. Eine politische Aussagekraft kann man den Fotografien bei alldem nicht zuschreiben, eher eine zutiefst humane. Ihre unbedingte Nähe zum Menschen macht die s/w-Aufnahmen gerade im Zeitalter der digitalen Ästhetik berührend.
Gelegentlich hilft Stefan Moses durch subtile Animation und mit Hilfe inszenatorischer Kunstgriffe wie der Verwendung ausgewählter Accesoires nach. Der neutralisierende Hintergrund eines grauen Filztuches, das an die Bildtradition der Wander-Fotografen anknüpft und das Brecht´sche Verfremdungstheater auf die surreale Bühne der Fotografie überträgt, ist mehr als ein Markenzeichen, da hier die Bedingungen des Bildermachens selber reflektiert werden. Beim Fotografieren verwandelt sich Stefan Moses vor allem in einen Menschen- bzw. Schattenfänger mit einem untrüglichen Gespür für das seelisch Hintergründige, für die Stärken wie die Schwächen, kurzum für die verborgenen wie sichtbaren Seiten einer Persönlichkeit.
 |
 |
Will man Stefan Moses als Person charakterisieren, so entzieht er sich einer festen Kontur, gegensätzliche Eigenschaften und Begabungen werden auffällig: er ist jemand, der die menschliche Gemeinschaft liebt und bedingungslose Freundschaft anbietet, mit nie zu stillender Neugier für alles Menschliche, doch gleichzeitig auch Eigensinn und Einzelgängertum verkörpert. Er ist jemand, der flinke Geschmeidigkeit, Theatralik und weise Selbstironie mit Widerständigkeit bis hin zur entschiedenen Verweigerung verbindet, allesamt Eigenschaften, die die komplexe Einzigartigkeit seiner Persönlichkeit charakterisieren und den Nährboden für seine künstlerische Wahrnehmung ausmachen.
Die Stefan Moses-Retrospektive setzt die erfolgreiche Zusammenarbeit des Fotomuseums im Münchner Stadtmuseum und des Goethe-Instituts fort. Nach Eröffnung der Ausstellung in München wird diese in den kommenden Jahren in einer kleineren Version mit dem Titel „Deutsche Vita” unter der Ägide des Goethe-Instituts auf Auslandstournee gehen. Die Ausstellung „Deutsche Vita” zeigt eine Auswahl von 50 Fotografien des renommierten Künstlers. Dabei werden die wichtigsten Jahrzehnte zeitgenössischer Geschichte in der deutschen Gesellschaft dargestellt, unter anderem einige seiner ersten Werke wie zum Beispiel das Abbild der Politiker Ludwig Erhard und Konrad Adenauer (1961) und neuere Fotografien wie die Ablichtung des Operdirektors Wolfgang Wagner (1998).
Die Fotografien dieser Ausstellung legen in doppelter Hinsicht ein Zeugnis ab. Sie ziehen die Summer der künstlerischen Lebensleistung eines begnadeten Fotografen und gestatten zugleich einen Rückblick auf die Menschen im Deutschland der Nachkriegszeit, die erst mit der Wiedervereinigung endete.
| Übersicht | Exposiciones | Museo de Arte de Zapopan |
|